Agresssion in der Depression und Hilfe

05.03.2022

Die AOK schreibt:“
Erhöhte Reizbarkeit bedeutet, dass Betroffene aufgrund der Depression schneller, häufiger und intensiver genervt sind. Meist reicht schon ein kleiner Auslöser. In Diskussionen verhalten sie sich oft vorwurfsvoll und aggressiv. Sie neigen teilweise auch zu unüberlegten und vorschnellen Entscheidungen, kündigen im Ärger zum Beispiel ihren Job oder trennen sich vom Partner.“

So zum Beispiel gestern und heute geschehen:

Die Liebste brach einen Streit vom Zaum. Urächlich war ein finanzielles Problem, das zwar ausschliesslich auf Ihrem Mist gewachsen war, mir jedoch die ganze Schuld angedichtet wurde. … 2continue, erst mal in Ruhe reflektieren.

Ich habe ein paar Tage für mich gebraucht um meinen Umgang mit diesen Agressionen zu beäugen. Es ist und bleibt schwer. Hinzu kommt (und das ist jetzt nur „meins“), dass mein Gehör mit steigender Lautstärke in schrillen Frequenzen „zusammenmklappt“. Seit einem Unfall leide ich unter Tinnitus.

Das macht es mir schwer und trägt sicher nicht zur „Lösung“ bei. Es sei denn „Sie“ würde mitarbeiten!
Das ist allerdings für mich schwer zu sehen. Schon, ja, aber es reicht einfach nicht.

Zurück zum Thema.

Es lag (und liegt) ein Problem an, dass es zu lösen gilt. In diesem Fall finanzieller Natur. Dazu sei beschrieben, dass „Sie“ sich im Laufe der zeit in eine Situation manövriert hat, die wirklich problematisch ist. Durch Unterlassungen, Vermeidungen, Negierungen und daraus resultierendem Verstreichen von Fristen, etc., wurden die „Berge“ immer größer. 
ich habe versucht „Ihr“ zu helfen, indem ich mich um einige Sachen gekümmert habe. Das hat allerdings dazu geführt, dass „Sie“ sich übervorteilt, bzw. bevormundet fühlte. … Und zu weiterem Streit.

Plötzlich hatte ich (wie soll das gehen?) ihr gesagt, dass „alles in Ordnung“ sei. Das bei einem Thema in der ich überhaupt nicht die „Stellvertreter-Position“ einnehmen kann!. Ich habe das auch sicher nicht gesagt, das gänzliche Problem betreffend, sondern bei einem Teilbereich (welcher auch von mir in Ordnung gebracht wurde).

Immer wieder, wenn ich den Eindruck gewann, sie erdet sich etwas, kehrte sie zurück zur Wut, machte alle Anderen für Ihre Misere verantwortlich und nahm  die Opfer-Position ein.  Ich war und bin machtlos.

Wie soll ich nun damit umgehen?

Ein Erklärungsversuch.

Es ist klar, meine Partnering hat es mit einer „ausgewachsenen“ Depression zu tun. Ich sehe dabei eine manisch-deprssive, eine sogenannte bipolare Störung. Ich erlebe bei ihr starke Schwankungen zwischen euphorischer Zuversichtlichkeit und extremer Verzweiflung.

Das beschreibt meine laienhafte Diagnose, versetzt mich aber letztendlich noch nicht in die Lage damit „neutral“ umzugehen. Weitere Schritte sind notwendig.

Z.B.:

    • Ich richte meine Gedanken und mein Wort an meine Partnerin und halte mir dabei jederzeit vor Augen, dass ihre Wut aus ihrer Depression mündet. Die Wut stammt nicht von der Frau die ich liebe, sondern resultiert aus ihrer Krankheit.
    • Ich lasse mich nach Kräften nicht auf Wortgefechte ein.
    • Ich, und das ist neu, erwähne ihre Depression und mache dabei verständlich, dass ich meine Partnerin liebe – nicht ihre Depression!
    • Ich akzeptiere dabei, dass es sich um eine Krankheit handelt. Dafür kann meine Partnerin (im Moment der Eskalation) nichts.
    • Ist „Ruhe“ eingekehrt, lasse ich das zu und bohre nicht weiter. Jetzt (erst) ist es möglich sie in den Arm zu nehmen und auf Erwiderung zu hoffen.

Wo bleibe ich dabei?
Tja, das weiss ich selbst (noch) nicht.

Meine Partnerin hat nicht wirklich Platz für meine Probleme und die Anforderungen meines Alltags. Diese stelle ich also erst einmal, so gut es geht, zurück. Keine leichte Übung und ich nehme auch nicht für mich in Anspruch, dem immer folgen zu können. So gut es geht halt.

Die Oberberg Kliniken schreiben:“
Bipolare Störungen lassen sich effektiv behandeln, werden Betroffene aber zeit ihres Lebens begleiten und damit auch das Leben der Angehörigen beeinflussen. Für Sie ist es daher essenziell, (wieder) zu erlernen, welche Verhaltensweisen „normal“ und welche der Erkrankung zuzuordnen sind. Eine Sensibilisierung hierfür ist entscheidend für das gemeinsame Zusammenleben. Die größte Hilfe, die Angehörige leisten können, ist es, eine verlässliche Stütze für den oder die Betroffene zu sein und mit ihm oder ihr gemeinsam die Phasen der Erkrankung durchzustehen. Wichtig ist es, dass Sie Ihre eigene Belastungsgrenze kennen. Nur wer über genügend eigene Kraft und Energie verfügt, kann diese aktiv weitergeben.“

Wie unterstütze ich meine Partnerin im Umgang mit Ihrer Krankheit? Was kann ich leisten, was nicht?
Ich denke, das entscheidet jeder für sich (klaro). Hier ein paar Anregungen (die ich selbst „probieren“ werde und versucht habe.

    1. Einen Psychologen aufsuchen, bzw. psychologische oder psychatrische Hilfe in Anspruch nehmen.
      Bei diesem Vorschlag, ist es wichtig jederzeit deutlich zu bleiben, dass es nicht darum geht den/die Partner/in „abzuschieben“.
      „Anschieben“ und „Begleiten“. Ich denke das beschreibt es und das werde ich leisten können. Zumindest nehme ich es mir fest vor. Wichtig dabei ist wohl, dass der/die Angehörige/ und/oder Partner/in jederzeit bei dem/der Erkrankten ist. Wenn nicht physisch, dann in Gedanken (und per Tel, WhatsApp, etc.)
    2.  …