Pseudogefühle

20.02.2022

„Der Begriff Pseudogefühl stammt aus der Terminologie der Psychologie und wurde von Marshall B. Rosenberg und Erich Fromm geprägt. Das Pseudogefühl stellt ein echtes, jedoch von der eigenen Wahrnehmung verfälschtes Gefühl dar. Es drückt demnach eher einen Gedanken, eine Interpretation aus, während das eigentliche, im Körper erlebte, Gefühl unausgesprochen bleibt. Ein Pseudogefühl beinhaltet immer einen Täter, was impliziert, dass ein anderer für das Gefühl des Sprechers verantwortlich ist. Damit wird der Andere verurteilt. Laut Marshall Rosenberg jedoch liegt die Verantwortung für ein Gefühl und das dahinter liegende Bedürfnis immer beim Individuum. Erkennen lassen sich Pseudogefühle an der Formulierung „Ich habe das Gefühl, dass …“ während echte Gefühle in der deutschen Sprache immer auch mit „Ich bin …“ anstatt „Ich fühle …“ ausgedrückt werden können.“.
Wikipedia

Vor einiger Zeit schrieb mir die Frau, die ich liebe, während eines von Vorwürfen und Interpretationen geprägten (WatsApp-) Chats „Ich fühle mich verarscht!“. Dabei lieferte sie noch hinter her, es handle sich dabei um eine Ich-Botschaft.

Obwohl sie dabei den Terminus „Ich fühle…“ anwendete, war mir nicht sofort klar, was hier „faul“ ist.

Jetzt und hier ist mir klar geworden, dass die Herzdame dabei nicht Ihre Gefühlswelt beschrieb, sondern mir die Verantwortung zuschob, mir vorwarf, sie „verarscht“ zu haben. Sie nutzte dazu ein „Pseudogefühl“ in Form einer versteckten „Du-Botschaft“.

Pseudogefühle sind versteckte Anklagen und Schuldzuweisungen, getarnt als eigenes Gefühl. Man bezeichnet sie auch als „Tätergefühle“ und geht darum seine(n) Gegenüber anzuklagen!

Übersetzt kann „Ich fühle mich verarscht!“ auch „Du hast mich verarscht!“ heißen.

Ich möchte mich selbst so garnicht davon freisprechen, mich selbst so zu verhalten. Wenn ich allerdings einigermaßen „rund laufe“, reflektiert bin, dann weiss ich solch eine Botschaft mit „Ich bin…“ oder „Mir geht es…“ zu beginnen.

Hör mal hin:

  • Ich bin traurig, weil ich verunsichert bin.
  • Mir geht es nicht gut, weil ich misstrauisch bin.

Ich selbst finde, auf die oben genannten Beispiele gibt man dem/der Gegenüber die Gelegenheit, einfühlsam und offen zu reagieren.  Natürlich sollte auch der/die (Konflikt-) Partner/in die entsprechende Bereitschaft dazu mitbringen und nicht selbst „auf Krawall gebürstet“ sein.